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Je mehr Daten wir nun sammeln, desto mehr Begehrlichkeiten schaffen wir. Den "perfekten Mord" begeht künftig vielleicht ein Netztechniker, der sich ein Alibi und einem Unschuldigen eine Datenspur zum Tatort verschafft. Ein paar Kommandos an die Datenbank sind alles, was er dafür braucht, um einem unschuldigen, verheirateten Ehemann eine Affäre mit dem Opfer anzudichten: Im System tauchen dann etliche nie geführte, von den Daten her aber kaum von echten Telefonaten unterscheidbare Handygespräche zwischen dem Unschuldigen und dem Opfer auf. Anfangs mit dem Muster einer geheimen Beziehung, später dann mit dem Muster einer Krise, wo das Opfer mit der Offenlegung an die Frau des Unschuldigen droht. Kurz vor der Tat dann noch ein paar gefälschte Bewegungsprofile, entsprechend der Besorgung der Tatwaffe und der eigentlichen Tat, und fertig ist die Datenspur, die vielleicht eines Tages einen Unschuldigen hinter Gitter und den echten Täter ungesühnt lässt. Ist letzterer besonders perfide, sorgt er noch für Genspuren und Fingerabdrücke des vermeintlichen Täters am Tatort. Nun gehört es zum Erfahrungsschatz von Staatsanwälten und Richtern, dass Zeugen die Unwahrheit sagen - sei es aufgrund unklarer Erinnerung, um Dritte zu decken oder gar aufgrund eigener Tatbeteiligung. Sie wissen aber auch, mit diesem Problem umzugehen, etwa Aussagen zu bewerten. "Maschinen" wie Telekommunikationssystemen wird hingegen zumeist unterstellt, dass sie fehlerfrei arbeiten. Dieses gilt aber nur, wenn sie nicht manipuliert worden sind. Und Manipulationen sind an digitalen Daten aber kaum oder gar nicht nachweisbar. Dieselben Gesetze, die Kriminalität bekämpfen sollen, schaffen also die Grundlage für neue Kriminalität, und sei es "nur" in Form von Datenschutzverletzungen und Spionage, wie in Italien geschehen. Je mehr Daten wir sammeln, desto häufiger werden diese auch auf Abwege geraten.



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